Selbstbau
Der "Kugelson", ein 12"-Kugeldobson aus Faserverbundwerkstoffen
"Übergewicht", Der Kugelson bekommt ein Gewicht
08.08.2005
Seit dem 1st Light ist eine Menge passiert.
Schon während desselben stand fest, dass der Kugelson ein Balanceproblem hatte.
Zugegeben, geahnt hatten wir das, es war aber wesentlich heftiger ausgefallen als erwartet.
Schuld war hier zunächst der Okularauszug, ein Traum aus Stabilität und Robustheit, ausgerüstet mit
Knopfautomat (1:6-Untersetzung).
Leider brachte dieses in Japan gefertigte Ungetüm 820g auf die Waage.
Dem hatte der etwa 9kg schwere Spiegel nicht viel entgegenzusetzen.
Also wurde der Okularauszug getauscht.
Schweren Herzens erwarb ich einen Kine-Optics HC2 Helikalauszug von nur etwa 90g Masse, für einen Preis
von etwa 1,44 EUR / Gramm...
Das verbesserte die Lage schon dramatisch, gebrauchen konnte man den Dobson so aber immer noch nicht.
Wir wussten also, worauf das hinauslaufen würde: Ein Gegengewicht aus Blei am Boden der Kugel.
Zuerst musste ermittelt werden, wieviel Blei denn nun nötig war.
Dazu wurde der Dobson mit dem Hut in die niedrigste anzunehmende Beobachtungsposition gebracht und auf
eine Digitalwaage gelegt. Die zeigte 1020g an.
Da der Hebelarm vom Drehpunkt des Dobson (= Kugelmittelpunkt) 1,25m entfernt war, und die Kugel einen
Durchmesser von 50cm hatte (Radius = 25cm), also ein Hebelverhältnis von 1:5 auiftrat, musste demnach etwa 5kg Blei
in die Kugel gepackt werden, um das Drehmoment auszugleichen.
5kg Blei, das sind 440cm³, vom Volumen her also nicht viel.
Also musste eine Form her.
Das Blei sollte exakt in die Kugel passen, also pressten wie den von langer Zeit abgeschnittenen Oberteil der oberen
Kugelhälfte in angefeuchtetes Basaltgranulat: eine Form entstand. Es wurde ermittelt, welchen Durchmesser der "Bleisee"
haben müsste, um in eben dieser Form 440cm³ aufzunehmen.

Die Form
Damit das Blei nicht unnötig durch das Granulat verunreinigt wird, legten wir 4 Lagen Glasfasermatten hinein.
Der zu erwartende Durchmesser (Schrumpfmaß nicht berücksichtig) des Gewichtes wurde mit rotem Edding
angezeichnet.

Die Form ist für den Guss vorbereitet
Nun musste Blei geschmolzen werden.
Alte Wasserrohre, die zuvor schon in handliche Ingots abgegossen wurden, wurden nun portionsweise eingeschmolzen.
Der Tiegel ist eine Ravioli-Büchse, und als Wärmequelle diente ein großer Dachdecker-Brenner.
Die Büchse bekam ordentlich rote Backen, und in einer sehr gut durchlüfteten Räumlichkeit mit Betonboden verloren
die Ingots bald ihre Form, das Blei war zum Abgießen bereit.

Einschmelzen der Ingots
Nachdem das Blei flüssig war, ließen wir es ein wenig abkühlen und gossen es ab.





Das noch flüssige Gewicht.
Nach dem Erkalten wurde das Gewicht gewogen: 5,0kg.
Anschließend wurden Gewicht und Kugel mit einer 5mm-Bohrung versehen und das Gewicht verschraubt.
Das Balanceproblem war beseitigt.
Wir hatten Glück, denn das Gewicht bedeckte keines der 6 Lüftungslöcher.

Das befestigte Gewicht.
Mittlerweile kann man den Dobson gut benutzen, fertig ist er aber immer noch nicht.
Der Hut ist materialtechnisch sehr sparsam ausgefallen, aus Gewichtsgründen.
Leider ist er um den Okularauszug herum für unsere Ansprüche nicht stabil genug.
Eine innere Versteifung mit kleinen Alu-L-Profilen brachte zwar eine erhebliche Verbesserung, machte uns aber
nicht zufriedener.
Die Folge:
Es wird ein komplett neuer Hut entstehen.
Dieser Hut wir kein Zylinderrohr mehr, sondern ein Ring mit L-förmigem Querschnitt.
Die Herstellung wird exakt so erfolgen wie die Herstellung der Winkel, welche die Stangenadapter halten.
Der OAZ wird nicht mehr "hängen", sondern "stehen", und die Fangspiegelspinne wird 45° nach oben aus der
Struktur herausragen.
Zusätzlich wird der Ring bereits laminierte Laschen für den Sucherhalter und einen Streulichtschutz bekommen.