Selbstbau 

 

 

 

Der "Kugelson", ein 10"/12" Kugeldobson aus Faserverbundwerkstoffen

 

Vorgeschichte

Parallaktisch montierte Geräte haben einen Vorteil: Bei hohen Vergrößerungen ist die Nachführung besonders 

angenehm. Ansonsten finden sich unserer Meinung nach nur Nachteile gegenüber einer vernünftigen Alt-Az-Montierung.

 

Der Einblick ist oft sehr unbequem, die Gerätes müssen im Falle eines Newtons ständig in den Schellen gedreht werden, damit der Einblick, dessen Höhe sich ständig ändert, einigermaßen bequem ist. 

Einen etwa 14kg schweren 10er Newton in den Schellen zu drehen, ist nicht gerade einfach, und nach einer vier- oder fünfstündigen Beobachtungsnacht weiß man, was man getan hat.

Ein parallaktisch montierter Refraktor ist die Krönung der Unbequemlichkeit, wenn man nicht gerade ein Uhu ist.

Bei keinem anderen Fernrohr sind die Einblickhöhen und Sucherpositionen derart unterschiedlich.

Zudem müssen, egal ob Spiegler oder Linser, große Massen mitgeschleppt werden.

 

Das V2A-Stativ meiner EQ6 wiegt 8kg, die Montierung an sich schlägt mit 18kg zu Buche. Dazu kommen 10kg Gegengewicht und eine 6kg schwere Energiestation samt Kabel und Steuerung. Der Tubus, ein 10er GSO Newton, ist da noch nicht dabei.

 

Irgendwann habe ich dann die equatoriale Kippplattform entwickelt, die eine azimutale Aufstellung der EQ6 ermöglicht.

Immerhin konnte man auf diese Weise dobsonmäßig bequem beobachten, sogar mit elektrischer Feinverstellung.

Die Schlepperei war aber die gleiche, und das stört mich.

Man hätte dem 10er GSO natürlich eine Rockerbox bauen können, die aber für einen 10er auch nicht gerade klein ausfallen würde, denn eine Box von diesem Typ hatte ich schon gehabt.

Da mein Astrokollege und ich aus Spritkostengründen immer zusammen fahren, muss man das Auto, egal ob nun sein VW Golf Variant oder unseren Volvo V40, mit Bedacht packen. Große Einzelteile sind daher immer ein Problem, da man ja fast nichts aufeinanderstellen kann.

 

Ein Telefonat mit Nikita brachte dann den Entschluss, einen Dobson nach dem Portaball-Prinzip zu bauen.

Einen solchen zu kaufen, käme nie in Frage. Ein 10"-Portaball kostet ca. 3200 Dollar, ein Preis, der dem Firmeninhaber

wohl zwischen dem 13. Bier und dem 10. Schnaps eingefallen sein muss. Ob die verbauten Komponenten den Preis

gerechtfertigen, ist an dieser Stelle uninteressant. Fest steht: Für 10 Zoll ist es aus meiner Sicht viel zu viel. 

 

Der Vorteil dieser Konstruktion aber liegt auf der Hand: Sie ist leicht und sehr kompakt. 

Da der Spiegel beim Portaball sehr tief im Inneren der Kugel sitzt, kann man ihn mit einem Deckel schützen und in der Sphere Zubehör unterbringen.

Zum Transportieren hätte man nur noch die Kugel mit aufgesetztem Hut, und die Stangen.

 

Der Original "portaball" von Mag1-Instruments.

(Foto mit freundlicher Genehmigung von Jochen Schell)

 

Man gibt sich die Kugel....

Also sollte es ein Kugeldobson werden. Werner Stein, ein Experte im Bauen von astronomischen Geräten aus Kohlefaser- verbundwerkstoffen, sandte mir freundlicherweise viele Fotos von seinem Kugeldobson zu, da ich von dem Gerät erfuhr.

 

Unser Richard, ebenfalls Experte bei Faserverbundwerkstoffen, hat sich bereit erklärt, bei der Realisierung zu helfen.

Die Wahl des Werkstoffes fiel bei uns aus Kostengründen aber nicht auf eine Kohlefaser-, sondern eine Glasfasermatrix.

 

Beide Varianten erfordern aber zum Abformen eine kugelförmige Grundform, ein "Etwas" von mind. 40 bis 50cm Durchmesser. Gar nicht einfach zu finden.

Werner verriet mir, dass man z.B. einen Globus nehmen könnte. Ab 40cm Größe sind diese aber selten zu finden, und sollte man dennoch einen gefunden haben, kostet er sehr viel Geld, auch bei ebay. 

Nach Wochen gab ich die Suche auf.

 

Bei einer Deko-Firma im Internet bestellte ich eine Acrylglaskugel von 45cm Durchmesser, und unmittelbar vor der Auslieferung teilte mir diese Firma mit, dass diese Kugel, zu der ich schon eine Auftragsbestätigung und eine Zahlungsanweisung hatte, nun doch nicht lieferbar sei.

Ich hätte mich vor Ärger fast gekugelt, aber es nützte nichts.

Doch bevor ich mir die Kugel gab, gelang es mir, bei einem Dekorationsfachbetrieb bei mir im Hinterhof eine Acrylglashalbkugel vom 50cm Durchmesser zu bestellen, zum Preis von 40,-EUR netto. Das war billiger als ein neuer Globus, und beendete die Suche nach einer Kugel. Diese Kugel kam übrigens von der Firma, die angeblich nicht liefern konnte....... 

 

Sonja Pfeiffer - Dekoration
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Eine Vollkugel wäre uns lieber gewesen, aber eine Halbkugel war ebenfalls brauchbar. Es mussten also zwei Halbformen erstellt werden.

 

10 oder 12 Zoll?

Bedingt durch die große Kugel, die locker für einen 12er Kugeldobson reichen würde,  machte ich mir einige Gedanken.

Man könnte die Öffnung für den Spiegel direkt auf einen 12-Zöller auslegen. An den Maßen der Kugel änderte das überhaupt nichts, und sollte einem später mal ein Spiegelset eines 12-Zöllers "über den Weg laufen", brauchte man lediglich den Hut und die Stangen neu zu konstruieren, das Aufwändigste, die Kugel, konnte nahezu unverändert bleiben. So sollte es sein.

Nach dem Urlaub, während dem mir diese Gedanken kamen, kam auch die Kugel an.

Hier ist sie:

 

Grundlage für den Formenbau: Die (Halb-)Kugel

 

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