Selbstbau

 

"Buchen sollst Du suchen!" oder 

                       "Wie baut man ein stabiles Stativ aus Buchenholz?"

 

Eine Bauanleitung für ein Buchenholzstativ für leichte bis mittlere EQ-Montierungen von unserem Sternfreund Silvio Hertli aus der Schweiz

 

Alle Fotos: Silvio

 

Silvios 150/1200 Leichtbau-Zollstock-Newton-Newton mit Astro-1- Montierung

auf dem Buchenholzstativ.

 

Diese Anleitung beschreibt genau den Bau des oben abgebildeten Stativs, welches Silvio Hertli selber entworfen hat. 

Das fertige Stativ wiegt ohne die Montierung 5,3 kg. 

 

Die Beine lassen sich NICHT stufenlos verstellen, aber die Höhe kann verändert werden: 72cm, 84.5cm (Bild) 97cm und 109,5cm.

 

Die Anschaffungskosten des Stativs betragen, je nach Holzwahl, etwa 25..60.- € und die effektive Bauzeit wird etwa 3-6 h betragen.

Eine “Warnung“ sei hier vor dem Baubeginn noch gegeben: (quasi das “Kleingedruckte“):

Das Stativ ist zwar ohne Werkzeug handhabbar, jedoch stellt eine Veränderung der Beinlänge (auch Auf- und Abbau) ein ziemliches Geschraube dar. Also nichts für „eilige Zeitgenossen“!  

 

Also, packedmer’s aa…!

 

 

1. Werkzeugliste:

 

Das müsste eigentlich alles im “Durchschnitts-Heimwerker-Hobbyraum“ zu finden sein:

 

- Bohrmaschine (Säulenbohrmaschine bohrt schön senkrecht… Sonst: darauf achten!)

- Holzbohrer 9mm und 3,2 (oder 3,5) mm (je nach Holzschrauben)

- 11mm Bohrer (besser wäre 11mm Stechbeitel & n’ Hammer)

 

- Eisensäge (franst das Hartholz weniger aus, als eine Holzsäge)

- Schraubendreher (Grösse/Form je nach Holzschraube) 

- Raspel, Feile, Schleifpapier (für die Kanten und die oberen Enden der Beine)

- Massstab, Bleistift, ggf. Zirkel

- Eine Rolle Klebeband, oder noch besser:

- Einige Schraubzwingen (um die Stativbeine zusammenzuheften, bis die Verschraubung angebracht ist)

- Auch ein Schraubstock hilft bei manchen Tätigkeiten, falls vorhanden…

- und schliesslich noch Öl / Lack, um das Holz zu imprägnieren (habe Salat-Öl verwendet!)

 

 

2. Einkaufszettel:

 

Alles, was Du brauchst, gibt’s im normalen Baumarkt. Erst gehen wir in die Holzabteilung ...

 

- 3 Stück Leisten 25x40mm, 2m lang (eine Stange gibt jeweils 1 komplettes Bein)

- 1 Stück Leiste 20x40mm, 1m lang (Okular-Ablage -> Bein Verdrehschutz)

- 1 Stück Brett, etwa 10..15mm dick, verzugsfrei (z.B. Multiplex), ca. 400x400mm

... und dann zu den Metallwaren:

 

- 9 Stück Schlossschrauben M8 x 80mm (besser wäre M8 x 85mm *)

- 3 Stück Schlossschrauben M8 x 110mm (besser wäre M8 x 115mm *)

- 12 Stück Flügelmuttern M8  

- 24 Stück Holzschrauben 4 x 40mm 

 

* gab’s aber nicht L.  Mit jeweils 5mm mehr Gewinde könnte ich noch Unterlegescheiben unter die Flügelmuttern 

  legen, (12 Stück bräuchte es) so ist das Gewinde etwas zu kurz. Ist aber kein Problem: das Buchenholz

  ist hart genug, dass sich die Flügelmuttern nur sehr leicht in die Holzoberfläche drücken)  

Fakultativ geht’s anschliessend noch in die Getränkeabteilung:

 

- SixPack blondes…  :-)

 

3. und nun wird gewerkelt:

 

Als erstes werden die Leisten zersägt: 

 

- aus der 1m-Leiste sägst Du 6 gleich lange (!) Stücke von ca. 160mm

- jede 2m-Leiste wird in 4 Stücke zersägt:     2x 660mm lang (die Aussenteile)

                                                                 1x 600mm lang (das Mittelteil)

                                                                 1x 60mm lang (das Verbindungsstück der Aussenteile)

 

Dann wird ein großer Teil der Oberfläche geschliffen: 

 

- an den 160mm Stücken die langen Kanten nur leicht brechen, (diese Kanten sollen ja unter der Okularablage großflächig          anliegen)

 

- sonst alle Kanten an allen Teilen großzügig rund schleifen (ich habe etwa 3…4mm Radius an den Kanten)

 

Nun kannst Du die Einzelteile der Beine schon mal zusammenlegen. Als nächstes wird das 60mm Teil zwischen den beiden 660mm Außenteilen verschraubt

 

- an den 660mm Teilen jeweils auf der Innenseite bei 60mm und 120mm ´n Strich,

  (zwischen diesen Strichen sitzt nachher die “Brücke“ also das 60mm-Teil)

- dann das Stativbein mit Klebeband (oder Schraubzwingen) so zusammenheften, dass alle Teile richtig sitzen:

                                  - Außenteile (660mm) parallel zueinander, und auf gleicher Höhe

                                  - “Brücke“ (60mm) an der eingezeichneten Position und einigermaßen parallel zu den 

                                    Außenteilen

                                  - Mittelteil (600mm) ist noch nicht wichtig, dient bei dieser Aktion nur als “Platzhalter“

 

Dann werden die 3,2mm Löcher vorgebohrt (für die Holzschrauben. Die genaue Position  der Löcher habe ich nicht vorgemessen, das ist “Pi x Handgelenk“) und mit dem 9mm Bohrer (von Hand gedreht) leicht angesenkt, um anschliessend die Schraubenköpfe ganz zu versenken.

 

(Vorbohren etwa 0,5...0,8 mm weniger als Schraubendurchmesser, ist ZWINGEND NÖTIG, da das Holz sonst längs einreisst!! Achtung: der Span-Auswurf des Bohrers funktioniert in Hartholz u.U. sehr schlecht! 

Loch nicht in einem Zug bohren, sondern den Bohrer mehrmals wieder rausziehen, damit die Späne raus können. Sonst wird das Bohrloch infolge Reibungshitze zu gross! Gilt auch für die späteren 9mm-Löcher!)

 

 

Hierzu wieder mal ein Bild, da ist die Verschraubung der “Brücke“ gut zu sehen

 

Jetzt werden die Bohrlöcher für die M8-Schrauben eingezeichnet. (wichtig: ab diesem Schritt solltest Du die Mittelteile nicht mehr untereinander austauschen. Ausserdem solltest Du hier möglichst genau arbeiten, weil alle Löcher innerhalb des Stativbeines zueinander „kompatibel“ sein sollten; sonst kriegst Du die Schrauben nicht mehr durch die Löcher, beim Ausfahren der Beine.)

 

Dazu musst Du nun das Mittelteil bis ganz zur Brücke hoch schieben und es gut zwischen den beiden Aussenteilen fixieren, dass alle 3 Teile parallel verlaufen (oben bei der Brücke hält es gut, aber unten musst Du gut acht geben…

 

Dazu erst mal wieder ein Bild

 

(hier sind die Beine 1 Stufe ausgefahren; zum Einzeichnen müssen sie aber ganz zusammengeschoben werden!)

 

- Ziehst Du jeweils auf einem Aussenteil längs einen Strich in der Mitte (rot)

- Zeichnest Du “A“ bis “F“ ein, gemessen ab der Null-Linie:     - A 20mm

                                                                                         - B 145mm (exakt 125mm von A)

                                                                                         - C 270mm (exakt 125mm von B)

                                                                                         - D 395mm (exakt 125mm von C)

                                                                                         - E 520mm (exakt 125mm von D)

                                                                                         - F ca. 640mm (von oben gemessen 20mm)

 

Dann werden die Löcher gebohrt. (Musst höllisch aufpassen, dass sich die Teile zwischen den einzelnen Bohr-Vorgängen nicht zueinander verschieben, und dass alle Löcher schön senkrecht sind!)

 

Um nun die Schlossschrauben ganz in den Bohrlöchern zu versenken, musst Du jeweils bei einem Aussenteil die 9mm Bohrlöcher bis in eine Tiefe von ca. 5mm auf 11mm aufweiten. (die Schlossschraube hat unter der Kappe so ein Quader, damit’s die Schraube nicht dreht) 

 

Dazu benutzt Du den Stechbeitel. (Falls Du das mit dem 11mm Bohrer machst, musst Du wieder höllisch aufpassen, dass die Aufweitung nicht zu tief gerät! Sobald der Bohrer fasst, zieht er sich mit viel Kraft in das vorgebohrte 9mm Loch rein! Tiefenanschlag benutzen, falls vorhanden…)

 

Nun kannst Du Deine neuen Stativbeine zum ersten Mal zusammenschrauben. Fühlt sich saumässig stabil an, gelle?

 

Die Nocke von der Montierung passt aber (wahrscheinlich) noch nicht in die obere Gabel; wo sie hin gehört. 

Die Gabel muss etwas aufgeweitet werden, und die Aussenteile des Beines müssen zur Montierung hin etwas angeschrägt werden (siehe Bild Seite 3) Also, weiter geht’s:

 

- Schnappst Du die Raspel und bringst das Teil in Form, dass es passt. Achte darauf, dass die Innenseiten

  der Gabel (ich musste an jeder Fläche 2,5mm runterraspeln, das geht in die Arme!) nicht bauchig werden. 

 

Je gerader, und paralleler diese Flächen sind (Monti darf hier ruhig ´n Bissel klemmen!) desto sauberer hält sich die Monti dazwischen!

 

Damit sind die Beine nun fertig. Kannst die Teile so einölen, oder alles nochmals zerlegen (musst dann aber aufpassen, dass die richtigen Teile wieder zueinander finden!)

 

Jetzt fehlt noch die Okularablage, die dem ganzen Stativ nochmals 200% mehr Stabilität einhaucht! Wenn das Brett gross genug ist, kannst Du direkt darauf zeichnen, ansonsten empfiehlt sich eine Papierschablone. 

 

Zeichnest Du ein 6-Eck, etwa so wie jenes auf dem Bild

 

Ausgehend vom gleichseitigen 3eck (rot, Maß “A“ = 440mm) kannst Du mit den Hilfslinien (grün, Maß “A“ unwichtig) das eigentliche 6-Eck (blau) konstruieren - wobei das Maß “B“ das einzig wichtige ist: 105mm. Es muss senkrecht zu den grünen Hilfslinien zu liegen kommen. 

 

Dann kannst Du das 6-Eck aussägen und die Kanten schön verschleifen (Die blauen Hilfslinien unten auf’m 

Foto lässt Du am besten auf dem Brett drauf, die brauchst Du später noch, beim endgültigen Positionieren der Verbindungsstücke. )

 

Schau’ Dir mal die Okularablage von unten an: 

 

 

Und dann nochmals das Bild, wo die Löcher des Stativbeines eingezeichnet sind, dann sollte auch in etwa klar

sein, wo am Brett die Löcher für die Befestigungsschrauben hin gehören:

 

 

Also: 

- Einzeichnen 20mm und 70mm von der “B-Linie“ der Zeichnung (also Brettrand)

- Bohren (3,5mm) und ansenken (mit’m 11er Bohrer, von Hand drehen) 

Nachher die restlichen 12 Holzschrauben soweit eindrehen, dass auf der anderen Seite die Spitzen leicht rausgucken 

- jetzt kannst Du das Brett prima ölen/lackieren und auf die Schraubenköpfe legen zum trocknen

 

Dann geht’s mit den 20x40x160 Stücken weiter:

 

- Zuerst zeichnest Du die 9mm-Löcher für die Schlossschrauben ein: 30mm von aussen, auf halber Höhe der 40mm Seite.

- Dann werden die 6 Löcher mit 9mm gebohrt, einzeln, nacheinander.

 

- Nun nimmst Du wieder den Stechbeitel (oder den 11er Bohrer) und machst an 3 Stücken die 5mm tiefe Loch-Erweiterung (wie     an den Stativbeinen)

- und diese 6 Teile ebenfalls ölen/lackieren

 

Nun kannst Du jeweils 2 der Stücke mit einer 110mm-Schlossschraube an jedes Stativbein befestigen, und zwar am Loch “B“. (Im “A“ und “E“ hast Du jeweils eine 80mm Schraube drin)

Zwei dieser massiv verschraubten Sandwiches befestigst Du schon mal an der Monti (ohne Teleskop und Gegengewicht, am Besten nur die Grundplatte), und legst das Zeugs sicher auf’n Boden.  

Das dritte Sandwich legst Du so auf’n Tisch, dass die 20x40x160mm Stücke jeweils die “C-Löcher“ verdecken - 

also alle 5 Holzteile flach auf’m Tisch aufliegen. Die Anschräge am Stativbein (für die Monti) zeigt NICHT nach oben, sondern liegt auf’m Tisch. 

Nimm das Brett und lege es so auf das Sandwich, wie es hingehört: parallel wo es sein muss; und so, dass

die 160mm-Stücke um exakt 80mm hervorlugen. 

 

Löse (oder verschiebe) die 110mm Schraube für die nächsten Schritte NICHT

 

- Nu’ hau eines drauf (auf’s Brett), und Du hast in den beiden Stücken die exakte Position der vier Bohrlöcher 

zueinander eingezeichnet J Leichtes Verkippen des Brettes ist egal, es wird nachher an allen 3 Beinen GLEICH sein…

 

- Brett vorsichtig entfernen,

- Löcher bohren (3,5mm) 

- und das Brett auf den 2 Stücken festschrauben.

 

Jetzt kannst Du die 110mm Schraube entfernen und die 2 Teile (Bein/Okularablage) voneinander ziehen.

Schraube nun das 3. Stativbein nun auch an die Montierung, stelle alles einigermassen exakt auf, und bringe die

Okularablage wieder mit der 110mm Schraube im “B-Loch“ an. 

 

Jetzt richtest Du die Okularablage etwa waagerecht und schiebst die 3 Beine so, dass die 160mm Stücke des nächsten Beines wieder bis auf 80mm unter dem Brett verschwinden.

 

- Nu’ drück das ganze zusammen, und Du hast die nächsten 4 Bohrlöcher exakt eingezeichnet. Leichtes Verkippen des Brettes    bei den ersten 4 Löchern hast Du jetzt ausgeglichen.

- Wieder alles entfernen,

- 4 Löcher bohren (3,5mm)

- Okularablage an den beiden 160mm Stücken festschrauben

 

Wieder alles aufbauen, Okularablage waagerecht halten & die Beine so richten, dass die letzten 160mm Stücke wieder bis auf 80mm verschwinden.

 

- Nu’ drück das ganze ein letztes malzusammen, wieder zeichnest Du Löcher & gleichst alle vorgängigen Fehler aus

wieder alles entfernen,

- noch die 4 letzten 4 Löcher bohren (3,5mm)

- Okularablage an den letzten beiden 160mm Stücken festschrauben

- Zusammensetzen

 

 

FERTIG!!!

 

So, dann wünsche ich viel Spass und viele zitterfreie Beobachtungen mit dem neuen Stativ. 

Eine persönliche Bitte hätte ich aber noch:

Diese Bauanleitung ist ohne Einschränkung “für alle mir bekannten und unbekannten Sternenfreunde“ entstanden; ohne jeglichen kommerziellen Hintergedanken! 

Bitte verwende sie auch entsprechend…!

 

Silvio Hertli, 18.02.2004

 

Die eifelTwister schließen sich dieser Bitte an. Silvios Anleitung passt in ihrer Absicht und Ausführung, nämlich dem absoluten kostenlosen Zurverfügung-Stellung von Tipps und Wissen exakt zu unserer Webseite und findet deshalb hier ihren Platz.

 

Bei Fragen wenden Sie sich bitte direkt an Silvio Hertli, silviohertli(bei)hotmail.com .

 

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